Märchenfortsetzung: „Das arme Dienstmädchen“

Liebe Schülerinnen und Schüler,

 

kurz vor den Ferien drehte sich in der Schule sehr viel um Noten und Zeugnisse. Als kleinen Impuls für die Ferien wollen wir euch eine Geschichte einer Fünftklässlerin mitgeben, die zeigen soll, dass Noten nicht das Wichtigste in der Schule sind. Jessica Ruoff sollte in einem Deutschaufsatz das Märchen „Das arme Dienstmärchen“ fortsetzen. Leider hatte sich Jessica in der Klassenarbeit mit der Zeit verspekuliert, konnte ihren Aufsatz nicht beenden und bekam daher leider eine nicht ganz so gute Note. Nach der Rückgabe der Arbeit sagte Jessica aber, dass sie ihren Text auf jeden Fall weiter schreiben wolle, auch wenn sie dafür keine Note bekomme. Einfach deshalb, weil sie ihr Märchen zu einem Ende bringen möchte, weil sie an ihrer Geschichte weiter arbeiten wollte. Diesen Text, der nicht benotet wurde, findet ihr hier.

 

Schöne Ferien!

 

Märchenfortsetzung: „Das arme Dienstmädchen“

 

Es war einmal ein armes Dienstmädchen, das fuhr mit seinen Herrschern durch den Wald, und als sie mitten darin waren, kamen plötzlich Räuber aus dem Dickicht hervor und ermordeten, wen sie fanden. Da kamen alle miteinander um bis auf das Mädchen, das war in der Angst aus dem Wagen gesprungen und hatte sich hinter einem Baum verborgen. Wie die Räuber mit ihrer Beute fort waren, trat es herbei und sah das große Unglück. Da fing es bitterlich an zu weinen und sagte: „ Was soll ich armes Mädchen nun anfangen, ich weiß mich nicht aus dem Wald herauszufinden, keine Menschenseele wohnt darin, so muss ich gewiss verhungern.“ Es ging herum, suchte einen Weg, konnte aber keinen finden. Als es Abend war, setzte es sich unter einen Baum, betete zu Gott und wollte da sitzen bleiben und nicht weggehen, möchte geschehen, was immer wollte. Plötzlich sah sie am Ende des Waldes ein Licht, das sie neugierig machte. Sie überlegte eine Weile, ob sie hingehen oder sitzen bleiben sollte. Aber da knurrte ihr Magen und sie entschied sich zu gehen, in der Hoffnung es gäbe da etwas zu essen. Als sie beim Licht angekommen war, stand sie bei einer Lichtung, in der Mitte stand ein kleines Häuschen. Das Mädchen ging mutig zur Tür und klopfte an. Da öffnete eine kleine, dünne, knochige, alte Frau die Tür und fragte mürrisch: „ Was willst du?“ Da antwortete das Mädchen höflich: „ Ich bin ein kleines, armes Dienstmädchen und weiß nicht wo ich hin soll, mein Magen knurrt schon ganz arg und ich hatte gehofft, Sie hätten was zu essen für mich und einen Platz zum Ausruhen.“ „ Ja, das hätte ich, komm rein und esse mit mir, und dann erzählst du mir, was passiert ist.“ Mit einem leicht mulmigen Gefühl ging das Mädchen hinein, drinnen sah es irgendwie komisch aus, dachte das Mädchen. In der Mitte des Häuschens hing ein großer Kessel, und in den Regalen standen tausende Gefäße, mit ekligen Dingen, aber das Dienstmädchen lief mutig weiter. „ Komm her, setz dich neben mich, und erzähl mir alles“, sagte die Frau. Also setzte sich das Mädchen neben die Frau und erklärte ihr alles, was passiert war und fing wieder an zu weinen. Daraufhin meinte die Frau: „Wenn du mir drei Sachen bringst, zaubere ich dir eine bessere Zukunft.“ „Ich will es versuchen, aber was sind das für Sachen?“, fragte das Mädchen unsicher. „Du musst mir eine Kröte mit goldenen Warzen, einen Edelstein aus der Höhle des Todes und Heilkräuter aus dem verwunschenen Wald bringen“, antwortete die Frau, die in Wirklichkeit eine Hexe war. Das Mädchen aß etwas, ruhte sich aus, und brach dann im Morgenrot auf. Als Erstes wollte sie nach dem Edelstein suchen. Bei dem Namen „Die Höhle des Todes“ lief ihr ein Schauer über den Rücken. Nach einem langen Fußmarsch stand sie vor der Höhle. Am Eingang hing eine riesengroße Spinne mit sieben langen Beinen und zwölf roten Augen, sie sah sehr gefährlich aus. „Was willst du?“, fragte die Spinne. „ Ich… Ich… will…einen Edel…Stein aus deiner Höhle… für eine Frau… kannst du mir einen geben?“, stotterte das Mädchen. Da antwortete die Spinne. „Ich gebe dir den schönsten und tollsten Edelstein, den ich habe, wenn du dieses Rätsel löst:“ Da meinte das Mädchen: „Lass es mich versuchen!“

Die Spinne legte los. „Was hat ein Bett und schläft nie?“ Das Mädchen überlegte lange, aber dann wusste sie die Antwort: „Es ist ein Fluss!“ Da sagte die Spinne überrascht: „Richtig! Ich hole den Edelstein.“

Mit diesen Worten verschwand die Spinne in der dunklen Höhle. Nach einer Weile kam die Spinne zurück. Sie hatte ihr Versprechen gehalten und brachte den schönsten Edelstein, den es gab.

Da bedankte sich das Mädchen und ging weiter. Nun machte sie sich auf zum verwunschenen Wald.

Nach einem Tag Fußmarsch stand sie davor. In dem Wald war es dunkel und gruselig. Sie überlegte, ob sie es wagen sollte. Aber dann dachte sie daran, wie ihr Leben sich verändern würde, wenn sie es tun würde. Mit diesem Gedanken lief sie mutig weiter in den Wald hinein. Mit jedem Schritt, den sie ging, kam er ihr immer verwunschener vor. Das Wetter änderte sich schlagartig von Sonne auf Regen, von Regen in Schnee, in Hagel oder auch Stürme, es wurde immer dunkler und gruseliger. Manchmal sah das Mädchen kleine Gestalten hinter sich und auf Bäumen, aber plötzlich entdeckte sie vor sich Pflanzen, um die es leuchtete und glitzerte. „Das müssen die Kräuter sein!“, rief das Mädchen. Sie steckte ein paar Kräuter in ihre Dienstmädchenschürze und wollte gerade wieder gehen, als sie bemerkte, dass sie sich verlaufen hatte. Ihr schossen die Tränen in die Augen und sie weinte. Ein kleiner Zwerg, der das Mädchen gehört hatte, kam zu ihr und fragte: „Mein Mädchen, wieso weinst du denn?“ „Ich habe mich verlaufen“, schluchzte das Mädchen. „Wieso kommst du hierher?“, meinte der Zwerg. Daraufhin erzählte das Mädchen dem Zwerg alles. Da bekam der Zwerg Mitleid und meinte: „Ich zeige dir, wie man aus dem Wald wieder herauskommt, jedoch nur unter einer Bedingung: Wir sind Freunde und ich darf mit dir kommen!“

Da sagte das Mädchen. „Ja, okay. Aber kannst du mir verraten, wo man Kröten mit goldenen Warzen findet?“ Der Zwerg nickte, sprang auf die Schulter des Mädchens und zeigte ihr, wie man aus dem verwunschenen Wald wieder herauskam. Als sie draußen angekommen waren, sagte der Zwerg. „Wir müssen zum Sumpf der goldenen Kröten. Aber von hier aus ist es noch ein Tag Fußmarsch. Wollen wir uns vielleicht oben auf einem Baum ausruhen?“ „Das ist eine gute Idee“, meinte das Mädchen und kletterte auf den nächsten Baum. Da ruhten sie sich aus. Als sie am nächsten Morgen aufwachten, aßen sie Beeren und Nüsse und machten sich auf den Weg zum Sumpf.

Auf dem Weg zum Sumpf erzählen sich die beiden Geschichten, lachten zusammen und sangen. Plötzlich roch es modrig und die Luft wurde dicker. „Ich glaube wir sind da“, flüsterte der Zwerg. „Wie machen wir es? Sollen wir eine fangen? Wir können aus den langen Halmen und Stöcken einen Kescher bauen“, sagte das Mädchen leise. Gesagt, getan. Sie holten die nötigen Gegenstände und bauten den Kescher. „Jetzt müssen wir nur noch eine finden“, meinte das Dienstmädchen. Der Zwerg ging voran, hinter ihm das Mädchen mit dem Kescher. Als sie an einen guten Platz kamen, an dem auch viele Krötenspuren waren, versteckten sich die beiden hinter einem Busch. Nach einer Weile kam auch eine Kröte mit goldenen Warzen. „Schau, da ist eine. Auf drei schnappen wir sie uns“, flüsterte der Zwerg. Das Mädchen nickte, der Zwerg zählte auf drei und sie sprangen aus dem Busch und fingen die Kröte ein. „Jetzt schnell zur Hexe“, jubelte das Mädchen. Nach zwei Tagen Fußmarsch kamen sie an der kleinen Hütte der Hexe an. Das Mädchen klopfte an die Tür und die kleine alte Frau öffnete. Die Frau sagte: „Kommt doch rein und erzählt mir von euren Abenteuern.“

Das Mädchen und der Zwerg erzählten alles und gaben ihr die Dinge – den Edelstein aus der Höhle des Todes, die Heilkräuter aus dem verwunschenen Wald und die Kröte mit goldenen Warzen vom Sumpf der goldenen Kröten. Die alte Hexe bedankte sich und sagte: „Ich halte natürlich auch mein Versprechen.“ Sie zeigte auf den Boden vor dem Kessel. Dann murmelte sie einen Zauberspruch und plötzlich standen das Mädchen und der Zwerg in einem prachtvollen Schloss. Das Mädchen hatte ein wunderschönes Kleid an. Vor Freude küsste sie den Zwerg, der sich daraufhin in einen wunderschönen Prinzen verwandelte. Die zwei heirateten und bekamen viele Kinder.

 

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

Jessica Ruoff, 5c

 

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