Dezember 2020

Online-Vortrag der Bundesbank zu Zahlungssystemen heute und in Zukunft im Wirtschaftskurs J2

Zahlungssysteme – das hört sich zunächst reichlich abstrakt an. Im Grunde geht es hier um alles, was zwischen Banken, Zentralbanken und Zahlungsdienstleistern im Hintergrund abläuft, wenn wir bezahlen. Andererseits steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir bezahlen, also bar, mit Karte, per Online-Banking u.a.

Zunächst stellte Frau Brunner eine Studie der Bundesbank über das Zahlungsverhalten der Deutschen vor. Hier zeichnen sich bestimmte Trends ab, die durch Corona aller Voraussicht nach beschleunigt werden: So sanken die Barzahlungen der Deutschen zwischen 2014 und 2017 um ca. 6 Prozentpunkte von 53 % auf 47 %. Entsprechend stiegen die Zahlungen per Debitkarte von 24 auf 27 %, das kontaktlose Bezahlen von 0,1 auf 1,1 %. Kleinere Beträge werden nach wie vor gerne bar, größere mit Karte bezahlt werden. Was das kontaktlose Bezahlen angeht, war die dafür notwendige „Nahfeld-Kommunikationstechnik“ (NFC-Technik) ca. 2010 ausgereift und wurde und wird zunehmend in Karten und Smartphones integriert.

Deutschland wird oft nachgesagt, dass hier nach wie vor gerne bar bezahlt würde und die Deutschen nicht sehr offen gegenüber neuen Zahlungsarten seien. Frau Brunner zeigte jedoch, dass in Deutschland - bezogen auf den Wert der Transaktionen – nur ca. 55 % bar gezahlt wird. Damit liegt es vor Spanien, Italien, Österreich und Griechenland, wo mehr in bar bezahlt wird, jedoch hinter Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Estland und Finnland, wo andere Zahlungsarten dominieren.

Im Anschluss ging die Referentin auf verschiedene Aspekte unseres aktuellen Zahlungssystems ein.

Interessant war beispielsweise, dass auch Barzahlungen im Einzelhandel für Händler nicht kostenlos sind, wie man zunächst meinen könnte. Banknoten werden als gesetzliches Zahlungsmittel schließlich unentgeltlich von der Bundesbank bereitgestellt. Jedoch entstehen Händlern Kosten in Form von Kassierzeiten (Kassieren bedeutet: bezahlte Arbeitszeit), für Kassensysteme und weitere Transaktionskosten (etwa Bargeldtransport durch eine Sicherheitsfirma etc.). Bezogen auf die Kosten ist sogar eine Zahlung per Girocard oder Lastschrift für die Händler günstiger. Kostenmäßig am teuersten ist das Zahlen mit Kreditkarte, weshalb diese nicht überall akzeptiert wird bzw. erst ab einem gewissen Mindestbetrag.

Des Weiteren ging Frau Brunner auf Sicherheitsmerkmale von Banknoten, den Aufbau der IBAN- und BIC-Nummern, SEPA-Überweisungen bzw. -Lastschriften ein. Es wurde deutlich, dass gerade bei Online-Käufen eine Bezahlung auf Rechnung oder per Lastschrift sicherer ist, da im ersten Fall die Zahlung erst erfolgt, wenn die Ware erhalten wurde bzw. im zweiten Fall die Lastschrift wiederrufen werden kann – bis zu 13 Monate nach ihrer Erteilung.

Etwa die Hälfte des Vortrags nahmen Innovationen bei Zahlungssystemen ein, wofür sich die Schüler/innen im Besonderen interessiert hatten.

Hinsichtlich des kontaktlosen Bezahlens haben wir uns sicher alle schon darüber gewundert, wie „schnell und leicht“ das Geld weg ist – dazu noch ohne Eingabe einer PIN oder einer Unterschrift. Letztere werden erst abgefragt ab Beträgen über 25 €. Könnte ein Dieb bzw. der Finder einer Karte nicht beliebig oft Beträge unter 25 € abheben und so ein Konto plündern? Frau Brunner beruhigte hier: Nach 5-maligem Bezahlen wird die Eingabe der PINs verlangt. Generell sollte ein Kartenverlust natürlich immer schnell gemeldet werden.

Was neue Zahlungssysteme angeht, erwiesen und erweisen sich private Technologiekonzerne oft als Vorreiter. So experimentiert „Amazon go“ in den USA mit Shops, bei denen man sich beim Eintritt über eine App anmeldet, anschließend seine Waren zusammensucht und dann den Laden einfach verlässt. Die Rechnung erhält man anschließend aufs Handy. Die Psychologie dahinter ist – so die Referentin – klar: Einkaufen tut weniger weh, da man durch den Wegfall des Bezahlens nicht merkt, dass einem etwas genommen wird – das Geld.

Auch der Zahlungsdienstleister „paypal“ (der übrigens eine Banklizenz besitzt) nutzte einst eine Marktlücke für sein Geschäftsmodell, die sich auf der Handelsplattform ebay zeigte: Überweisungen werden von Banken i.d.R. gebündelt und erst am nächsten Tag ausgeführt. Ein ebay-Käufer musste also relativ lange auf seine Ware warten, da der Verkäufer zunächst auf sein Geld warten musste, bevor er dann die Ware losschickte. Paypal gelang es hier, ein Überweisungssystem in Echtzeit zu schaffen.

Mittlerweile bieten auch Sparkassen und Volksbanken Überweisungen in Echtzeit gegen eine geringe Gebühr an. Vorteil hierbei ist es, dass Finanzdaten nicht an Dritte (Konzerne oder private Finanzdienstleister) gelangen und der Datenschutz gewährleistet ist.

Den Abschluss des Vortrags bildete das Thema „Kryptowährungen“. Was von diesen zu halten sei, hatte die Schüler/innen des Kurses besonders interessiert.

Frau Brunner führte hier aus, dass das Thema Auftrieb vor dem Hintergrund der Finanzkrise 2007/8 bekommen hätte: Hier wurde das bestehende Finanzsystem aus Banken und dahinter stehenden Zentralbanken, deren Zahlungen durch ein zentrales Clearingsystem abgewickelt werden, kritisch hinterfragt.

Als Gegenentwurf hierzu erfand eine IT-Gruppe unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ ein dezentrales Kontensystem, das auf Kryptographie und einer Blockchain beruht: Der Bitcoin war geboren. Da alle Konten in einer aufeinander aufbauenden Kette von Blöcken gespeichert werden, die sich über alle am System teilnehmenden Rechner verteilt, ist es nicht möglich, Fälschungen im System vorzunehmen. Um Nutzern Anreize zu bieten, Rechenkapazitäten für das System bereitzustellen, wird jeweils demjenigen, dessen Rechner eine Transaktion am schnellsten ausführt, eine Gutschrift in Bitcoin gutgeschrieben.

Sind also dezentrale Rechenpower und Kryptographie dem gegenwärtigen Finanzsystem überlegen? Zu dieser Frage bezog die Bundesbankerin eindeutig Position: Ziel der Bundesbank, die im Auftrag der Europäischen Zentralbank handelt, sei es, den Wert des Geldes stabil zu halten (konkret wird eine Inflationsrate von knapp unter 2 % angestrebt). Kryptowährungen schwankten dagegen extrem im Wert, z.T. um 30 % pro Tag. Oft sei es nur Spekulation auf weiter steigende Kurse, die (scheinbare) Wertgewinne anheize. Nicht zuletzt stünden hinter Kryptowährungen keine echten Werte, sondern es handle sich nur um Daten, die auf Servern lagerten, die nicht einmal den Besitzern von Kryptowährungen gehörten. Im Unterschied dazu stünden hinter dem Wert des Zentralbankgeldes Wertpapiere, Gold, die Bürgschaft von Staaten, die bei der Zentralbank eingelagert seien.

Die Popularität von Kryptowährungen, egal was man nun von ihnen hält, habe andererseits – so Frau Brunner zuletzt - neue Entwicklungen bei der Europäischen Zentralbank angestoßen: So wird 2021 ein Projekt zu einem „digitalen Euro“ gestartet. Wie dieser ausgestaltet wird, sei noch nicht ganz klar, ob als App oder als Möglichkeit, eine Wallet, letztlich eine Art elektronische „Brieftasche“ für digitale Euros, bei der Zentralbank zu führen. Letztere Option würde ein Novum darstellen, da bislang nur Banken oder Staaten Konten bei der Zentralbank führen konnten, nicht Unternehmen oder Privatnutzer.

Insgesamt war es ein kurzweiliger und informativer Vortrag, in dem Frau Brunner das nicht immer einfache Thema durch viele konkrete Beispiele den Schüler/innen anschaulich machte. Im Februar wird sie sich zum Thema „Corona, Staatsverschuldung und Geldpolitik“ nochmals in den Wirtschaftsunterricht zuschalten, worauf wir schon sehr gespannt sind.

Frieder Elsäßer

Wirtschaftslehrer am ESG

Vorlesewettbewerb und eine Menge toller Bücher

Bücher trotzen der Pandemie – sie können immer gelesen werden und verstoßen weder gegen Abstands- noch Hygieneregeln. Und sie bieten Spannung, Erheiterung und machen in vielen Fällen Mut. Nein, auf den Vorlesewettbewerb 2020 kann nicht verzichtet werden – deshalb findet der Wettbewerb des Deutschen Buchhandels unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten auch unter Pandemiebedingungen statt.

In diesem Jahr konnten die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen nicht in die Aula kommen, um alle Vorleserinnen und Vorleser aus den 6. Klassen zu hören und zu erleben, wer den Sieg davonträgt. Aber in einem kleineren Rahmen ließ sich die Wahl des/der Schulsiegers/in doch bewerkstelligen. Die Klassensiegerinnen und -sieger der 6. Klassen (je zwei aus einer Klasse) stellten sich am 4. Dezember im Rahmen einer kleinen Veranstaltung der Schuljury (Frau Lindauer, Frau Kutzner-Apostel, Herr Merklinger und Frau Müller von der Buchhandlung "Kolibri"). Zur Unterstützung durfte jede/r einen/e Freund/in mitbringen.

In der ersten Runde lasen die Schülerinnen und Schüler aus ihren Lieblingsbüchern vor. Es gab Spannendes, Lustiges und Unheimliches zu hören. In die zweite Runde, in der aus einem von der Jury ausgewählten Buch vorgelesen wird, kamen Nikita Marr (6b), Mirijam Merl (6c) und Gamze Öskan (6a). Letztere schließlich konnte sich als beste Vorleserin durchsetzen, wobei die Jury aber betonte, dass die Unterschiede zwischen den Kandidaten nur graduell waren. Gamze las zuerst vor aus "Die Duftapotheke" von Anna Ruhe, in der zweiten Runde aus Paul Maars Buch "Der Tag, an dem Tante Marga verschwand". Wir wünschen Gamze viel Glück bei der nächsten Runde!

Herzlich danken wir Frau Müller von "Kolibri" für ihre Unterstützung und die Stiftung des Buchpreises für die Siegerin.

Christine Kutzner-Apostel

Agiles Börsenprojekt des Wirtschaftskurses J1

Wie schon erwähnt, bietet sich das agile Projektmanagement im Zusammenhang von Bildung an. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass hier insbesondere Skills gefördert werden, die als zentral für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erachtet werden: Kreativität, Kollaboration, Kommunikation, kritisches Denken, Selbstorganisation.

Bezogen auf das Börsenprojekt des Wirtschaftskurses J1 lag die Herausforderung darin, ein „einführendes Informationsangebot zum Thema Börse für Jugendliche“ zu erstellen. Das Ziel war bewusst vage formuliert und sollte im Projektprozess präzisiert werden. Zur Verfügung standen insgesamt 16 Doppelstunden, die sich über 3 Wochen verteilten.

In der ersten Doppelstunde erhielten die Schüler/innen eine Einführung in das agile Projektmanagement in der „Scrum-Variante“. Hier schalteten sich Boris Rojs und Katrin Moor von der Siemens Professional Education (SPE) Karlsruhe über MS Teams zu, um den Schüler/innen die Scrum-Herangehensweise näherzubringen. Ursprünglich war angedacht gewesen, sie ans ESG in den Kurs einzuladen. Corona-bedingt musste die Online-Variante herhalten, was erstaunlich gut funktionierte und eine lebhafte Diskussion mit den Schüler/innen ermöglichte.

Bei Scrum sind verschiedene Elemente zentral:

1. Zunächst wird die Problemstellung formuliert und das Produkt so umschrieben, dass der Nutzen aus Kundensicht deutlich wird. Bezogen auf das Projekt wurde also geklärt, warum ein „einführendes Informationsangebot zum Thema Börse“ wünschenswert ist und wo der „Mehrwert“ für Jugendliche liegt, die das Informationsangebot nutzen. Dieser 1. Schritt dient der Sinnstiftung für die Projektteilnehmer und wird in der Scrum-Terminologie als „user story“ bezeichnet.

Es kristallierte sich heraus, dass das geringe Börsenwissen der Deutschen im Allgemeinen sowie die momentan quasi nicht-vorhandene Verzinsung von Einlagen auf Sparbüchern als Begründung für das Informationsangebot Börse herhalten konnte. Für die Teilnehmer des Wirtschaftskurses diente darüber hinaus als Motivation, dass sie momentan am „Planspiel Börse“ teilnehmen und auch diesbezüglich ihr persönliches Börsenwissen erweitern konnten. Ziel des Planspiels Börse ist es, aus einem virtuellen Depot mit 50 000 € eine möglichst große Rendite herauszuholen.

Was das Produkt anging, einigten sich die Schüler/innen des Kurses schnell darauf, dass sie ein Internetangebot erstellen wollten und keine gedruckten Broschüre. Nachdem verschiedene Varianten erwogen worden waren, verständigten sich die Schüler darauf, ihr Angebot in Form eines Wikis auf dem ESG-Moodle zu erstellen. Es ist hier (passwortgeschützt) einsehbar unter:

https://04165384.moodle.belwue.de/moodle/course/view.php?id=829

2. Im Anschluss an die Festlegung der „Form“ wurden Unterthemenbereiche des Themas Börse gesammelt und recherchiert, die bearbeitet werden sollten, so z.B. „gängige Börsenprodukte“, „Chancen und Risiken einer Geldanlage an der Börse“, „verschiedene Analysemethoden für Börsenprodukte“, „Kosten für den Handel mit Börsenprodukten“. Alles wurde in einer to-do-Liste vermerkt; in der Scrum-Begrifflichkeit „Backlog“ genannt.

3. Bei Scrum sind feste Zeiteinheiten, so genannte „Sprints“, entscheidend, zu deren Ende dem Auftraggeber jeweils die Ergebnisse präsentiert werden – unabhängig davon, ob diese angefangen, halbfertig oder komplett fertiggestellt sind. Der Auftraggeber gibt den einzelnen Teilnehmern bzw. Teams dann Rückmeldung, ob das Ergebnis weiterbearbeitet werden soll, angepasst werden muss, verworfen werden soll oder als abgeschlossen behandelt werden kann.

Nicht das Streben nach Perfektion ist zentral, sondern die Anpassungsfähigkeit und das schnelle Feedback zu Zwischenergebnissen. Die Vorgehensweise wird so lange wiederholt, bis das Ergebnis den Anforderungen des Auftraggebers entspricht. Im Projektverlauf wurden insgesamt 3 Sprints unterschiedlicher Länge mit den jeweiligen Feedbacks zum „Produkt“ (im Scrum-Sprech: „Sprint Reviews“) durchgeführt.

4. Um alle Projektteilnehmer über die Tätigkeiten der jeweils anderen ins Bild zu setzen, fand zu Beginn jeder Doppelstunde ein kurzes „Stand-up“-Meeting statt, wo jeder die anderen kurz informierte, woran man gerade arbeitete. Es stellte sich heraus, dass den Schüler/innen die Abgrenzung der Themengebiete untereinander nicht immer leicht fiel. Der Kurs hatte sich in 3 Teams aufgeteilt, die jeweils verschiedene Unterthemen bearbeiteten. Hier war teamintern und -übergreifend viel Kommunikation und Zusammenarbeit nötig, um Doppelbearbeitungen und Überschneidungen von Themengebieten zu vermeiden.

5. Um den Projektfortschritt zu dokumentieren und visualisieren, wurde ein Scrum-Board genutzt. Damit ist eine Art Tabelle mit verschiedenen Spalten gemeint. Links standen die „User-Story“ und das „Backlog“; mittig das Sprint-Backlog (= die Aufgaben, die speziell im nächsten Sprint bearbeitet werden sollten), eine Spalte „in progress“, in der Aufgaben vermerkt wurden, die gerade in Bearbeitung waren, sowie ganz rechts „done“ für die fertig erledigten Aufgaben.

Alle Einzelaufgaben waren auf Post-its vermerkt worden, die im Projektverlauf mit der Zeit von ganz links nach rechts wanderten, also in Richtung „done“. Spannend war es natürlich, ob es den Schüler/innen gelingen würde, das Projekt in der vorgegebenen Zeit abzuschließen. Es zeichnete sich jedoch bereits in der vorletzten Stunde ab, dass die meisten Post-its bereits rechts aufgeklebt waren und das Projektziel sicher erreicht würde.

6. Ein extrem wichtiges Element von Scrum ist die regelmäßige Reflektion über die Arbeitsweisen in den Teams, um eine kontinuierliche Prozessverbesserung zu erreichen. Am Ende jedes Sprints steht also neben der Sprint Review (zur Erinnerung: Hier werden die Zwischenergebnisse begutachtet) eine Retrospektive. Hier wird darüber reflektiert, was gut lief, was förderlich für die Zusammenarbeit war, wo es Hindernisse gab, wie diese beseitigt werden können, was als bewährt beibehalten und was verändert werden sollte.

Boris Rojs hatte sich bereits bei der Projekteinführung angeboten, eine solche Retrospektive mit den Schüler/innen durchzuführen, und schaltete sich bei einer der zwei durchgeführten Retrospektiven nochmals online zu. Es war beeindruckend zu sehen, wie durch Nachfragen konkrete Verbesserungsmöglichkeiten deutlich wurden. So beklagte sich etwa ein Schüler darüber, dass er seine Aufgabe nicht weiterbearbeiten konnte, da er auf die Vorarbeit eines anderen Schülers angewiesen war. Hier fragte Herr Rojs nach, ob gegenseitige Abhängigkeiten bei der Aufgabenbearbeitung aufgeschrieben und visualisiert worden waren. Ein weiteres Beispiel: Ein Schüler erzählte, dass er sich von Stunde zu Stunde persönliche Ziele gesetzt hatte, die er erreichen wollte. Hier wurde nachgefragt, ob die persönlichen Ziele den anderen jeweils kommuniziert worden waren (zum Beispiel im Stand-up). Insgesamt fiel sehr positiv auf, wie offen und ehrlich die Schüler/innen ihre Arbeitsweise mit Herrn Rojs besprachen.

7. Last not least soll auch der Spaß bei solche einem Projekt nicht zu kurz kommen. Insofern durften die Schüler/innen zu Beginn formulieren, was sie sich wünschten, um gerne an dem Projekt zu arbeiten. Dies wurde als „definition of fun“ am Scrumboard festgehalten. Die Schüler/innen wünschten sich, bei der Arbeit Musik hören zu dürfen sowie ihr Handy nutzen zu können, was ihnen gewährt wurde. Beides wurde in der Auswertung als sehr motivierend beurteilt.

8. Den Abschluss bildete der Projektabschluss mit Präsentation der Einzelthemen, der „Begutachtung des Endprodukts“, einer Evaluation des Projekts in Form eines Online-Fragebogens sowie einem gemeinsamen Ausklang mit Lebkuchen, Spekulatius und Mandarinen.

Insgesamt beurteilten die Schüler/innen das Projekt als großen Erfolg. Besonders positiv wurde das Einbringen eigener Ideen, die Teamarbeit sowie das selbstständige und abwechslungsreiche Arbeiten empfunden. Einige meldeten zurück, dass sie Aspekte des Projektmanagements für ihr weiteres Lernverhalten übernehmen wollen, so etwa, dass man sich zunächst einen Überblick über die anstehenden Aufgaben verschafft und diese dann nach Prioritäten ordnet.

Auch für mich als Lehrer war das Projekt sehr interessant, da die selbstorganisierte Arbeitsweise der Schüler/innen bedeutet, dass man sich deutlich zurücknehmen muss und Vertrauen in die Arbeitsweise der Schüler/innen haben muss. Als Lehrer fungierte ich hier nicht in der Rolle als Stoffvermittler, sondern primär als Arrangeur von Lernprozessen, Feedbackgeber und Lerncoach.

An dieser Stelle sei allen gedankt, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Ein besonderer Dank gilt Boris Rojs für sein außerordentliches Engagement. Herr Rojs betreut in der Siemens Professional Education (SPE) Karlsruhe als „Lernprozessbegleiter“ duale Studierenden in agilen Projekten, sowie Katrin Moor, die sich in der SPE mit Bildungsprojekten beschäftigt.

Ein herzliches Dank gilt auch Arlene Heimpel von der Sparkasse Kraichgau, die den Schülern die Broschüren „Basiswissen Börse“ zur Verfügung gestellt hat, die als Inspirationsquelle für die Aufgabenfindung dienen konnten. Frau Heimpel fungiert darüber hinaus als Vermittlerin und Ansprechpartnerin für das Planspiel Börse.

Frieder Elsäßer, Wirtschaftslehrer am ESG